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Phantomschmerz - kein Nervenfehler.
Es ist ein Körper, der sich an das erinnert, was du begraben hast. Du kennst die Geschichte: Einem Menschen wird das Bein amputiert -
doch er spürt weiterhin Krämpfe in Zehen, die nicht mehr da sind. Doch Phantomschmerz betrifft nicht nur Amputierte. Er lebt auch in Frauen nach Hysterektomie. In Menschen nach Gallenblasenentfernung. Nach Brust-, Schilddrüsen-, Darm- oder Milzentfernung. Und nein - sie „bilden sich nichts ein". Ihr Körper folgt einfach einer alten Landkarte - auch wenn darauf längst ein weisser Fleck klafft.
Was geschieht im Körper - auf allen Ebenen?
Neurologisch Jedes Organ hat eine eigene „Repräsentationszone" in der somatosensorischen Hirnrinde. Nach der Entfernung verschwindet diese Zone nicht. Stattdessen „überwachsen" benachbarte Areale sie - und senden verzerrte Signale: Brennen, Druck, Pulsieren, Taubheit - genau dort, wo das Organ nicht mehr ist (Flor et al., Nature Reviews Neuroscience, 2006). Das ist nicht „eingebildet". Es ist neuronale Neuordnung nach Verlust.
Hormonell Die Entfernung der Gebärmutter (vor allem mit Eierstöcken) oder Schilddrüse ist kein blosser chirurgischer Eingriff - sondern ein plötzlicher Abgrund im hormonellen Gleichgewicht. Östrogen, Progesteron, Thyroxin - das sind keine „Chemikalien". Sie regulieren Stimmung, Stoffwechsel, Sinnlichkeit, das Gefühl von Ganzheit. Wenn sie abrupt verschwinden, gerät der Körper in inneren Dissonanz:
Der Organismus wartet weiter auf Signale, die nie kommen. Und so entsteht ein körperliches Gefühl von Leere, Zusammenziehen, Kälte -
nicht in der Fantasie, sondern im Gewebe selbst.
Faszial Jeder Schnitt durchtrennt nicht nur Organe - sondern das fasciale Netz, das den ganzen Körper wie eine lebendige Spinne durchzieht. Eine Narbe ist kein blosser Defekt. Sie wird zu einem mechanischen und energetischen Block: Sie verändert Spannungsmuster, behindert das Zwerchfell, staut Lymphe. Und Jahre später zieht der Körper immer noch dorthin -
nicht weil es wehtut, sondern weil die Faszien den Riss nicht vergessen.
Psycho-emotional Organe sind mehr als Funktion. Sie tragen Identität, Symbolik, Seele. Die Gebärmutter ist für viele Frauen nicht nur „Fortpflanzungsorgan" - sondern Quelle von Weiblichkeit, Tiefe, schöpferischer Kraft. Ihre Entfernung kann sich anfühlen wie eine Seelen-Kastration - selbst wenn medizinisch notwendig. Die Brust ist nicht nur Gewebe - sie steht für Fürsorge, Nähe, Nahrung, manchmal Schutz. Nach einer Mastektomie fühlen sich viele Frauen entwaffnet, ausgehöhlt - selbst wenn sie überlebt haben. Die Gallenblase gilt in Ayurveda und TCM als Sitz des Mutes, der Entschlossenheit, der Fähigkeit, „Wut zu verdauen". Ihr Verlust bringt oft nicht nur Verdauungsprobleme - sondern ein diffuses Gefühl der inneren Unschärfe, die Unfähigkeit, Grenzen zu setzen. Und wenn dieser Verlust ohne Abschied, ohne Tränen, ohne Ritual geschieht - bleibt der Körper in Schwebe: Er kann weder halten - noch loslassen.
Phantomschmerz ist kein Fehler. Es ist ein Ruf.
Er sagt:
- „Du hast dich nicht verabschiedet."
- „Du hast nicht getrauert, was gegangen ist."
- „Du tust, als sei der Körper Verbrauchsmaterial -
doch er erinnert sich noch immer daran, wer er war." Die moderne Medizin entfernt Organe „erfolgreich". Aber sie begleitet kaum jemals den Menschen auf dem Weg zu seinem neuen Körper. Und so übernimmt der Körper diese Aufgabe selbst - durch einen Schmerz, den niemand sieht. Heilung beginnt nicht mit dem Verschwinden des Schmerzes.
Sondern mit der Anerkennung des Verlustes. Nicht mit: „Vergiss es und lebe weiter."
Sondern mit: „Ja, das war da. Ja, es hatte Bedeutung. Ja, es tut weh, dass es weg ist." Denn Phantomschmerz ist kein Defekt. Es ist Erinnerung, die auf ihr Ritual wartet. Und solange dieses Ritual ausbleibt, wird der Körper weiter flüstern: „Du bist nicht allein. Ich bin noch hier. Auch wenn ich dort nicht mehr bin."
P.S. Wenn du ziehenden, brennenden, pochenden Schmerz spürst an einem Ort, an dem „alles verheilt" ist - such nicht nach Schädigung.
Frag stattdessen: Was ist verschwunden - aber wurde nie betrauert? Was ging - aber erhielt keinen Abschied? Denn manchmal schmerzt der Körper nicht wegen dessen, was ist - sondern wegen dessen, was nicht mehr ist, und das niemand dir erlaubt hat, loszulassen.
Ich heile nicht, ich begleite dich auf dem Weg nach Hause, zu deiner Seele...
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